Staatliches Berufliches Schulzentrum
Sulzbach-Rosenberg

Religion(en) - Segen oder (Ohn)macht

Sulzbach – Rosenberg (lz/bba). Dieses besondere Angebot hatte einen großen Vorlauf, 
denn schon im August wurden die Weichen gestellt: Vier Klassen aus dem Beruflichen 
Schulzentrum sammelten im Rahmen ihres Religionsunterrichts vielfältige Fragen rund um die Religionen: So kam eine bunte Palette von Fragen von Religionen über spezifisch den Islam bis hin zur katholischen Kirche unter dem Motto „Religion(en) – Segen oder (Ohn)macht zustande.

 OStD Bernhard Kleierl begrüßte den Referenten und die teilnehmenden jungen Erwachsenen und freute sich auf einen etwas anderen Religionsunterricht mit sehr interessanten Fragen. Anschließend gab Gerhard Pöpperl, Direktor der Diözesanstelle für Berufungspastoral, den bei der Moderation Schülersprecher Sebastian Kunze unterstützte, zunächst einen Einblick in seine eigene „Vita“: 1983 in Regensburg geboren, ging Pöpperl in Niederbayern auf das Gymnasium und hatte in seiner Freizeit durch seine Aktivitäten bei den Ministranten intensivere Kontakte zu seiner Pfarrgemeinde. Bald tauchte die Frage auf, ob er Priester oder Pastoralreferent werden wolle und welchen Stellenwert der Wunsch hatte, eine eigene Familie zu gründen. Eine jugendliche Schwärmerei für eine drei Jahre ältere Messdienerin motivierte Pöpperl zusätzlich zu zahlreichen, ehrenamtlichen kirchlichen Einsätzen, die ihm auch viele liturgische Erfahrungen brachten. Schließlich stand es für den jungen Mann fest, Priester werden zu wollen, sein Anliegen, für die Menschen dazu sein und sich für die Menschen frei zu machen, umzusetzen. 2009 wurde Pöpperl vom damaligen Diözesanbischof Dr. Gerhard Ludwig Müller zum Priester geweiht und ist in der Region durch sein segensreiches Wirken als Kaplan in der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit in Amberg sowie BDKJ – Stadtjugendseelsorger bekannt. Seit über drei Jahren ist Pöpperl nun als Direktor der Diözesanstelle für Berufungspastoral ebenso aktiv wie als Präfekt für das Priesterseminar, Diözesankurat der Pfadfinderinnen St. Georg und im Arbeitskreis Ministranten auf Diözesanebene.

Danach stellte der Referent seinen konkreten Tagesablauf ebenso vor wie seine ganz normalen Hobbys vom Schafkopfen bis zur Musik und erläuterte, warum er seine Entscheidung für diese Berufs- und Lebensform bejahe:“ Man könne es lernen, nicht jedem Bedürfnis nachzurennen und ich erlebe auch unterschiedliche Situationen und Erfahrungen, die ich als verheirateter Mann so nicht erleben würde. Dazu spielen natürlich die eigene Familie sowie der Freundeskreis eine ganz besondere Rolle“, so der Direktor weiter. Die Regel der Ehelosigkeit habe durchaus ihren Sinn und Pöpperl bedauerte, dass sich manche Denkweisen auf einzelne Aspekt reduzieren würden. 

„Die Entstehung der Religionen hänge mit den Grundeigenschaften des Menschen zusammen, an etwas zu glauben“, blätterte Pöpperl im Fragenkatalog der Schülerinnen und Schüler. „Wenn Menschen behaupten würden, sie würden an gar nichts glauben, stimme das so nicht, denn sie glauben zumindest an ihre eigenen Vorstellungen“. Im Glauben sei der Mensch nicht alleine, sondern er spreche darüber und auch daraus haben sich Religionen gegründet und entwickelt, Die katholische Kirche sei hierarchisch strukturiert und in diesem Feld tauchen auch immer wieder Spannungen auf, die von Solidarität bis „Vetternwirtschaft“, von Transparenz bis zu Daten- und Opferschutz reichen.

 Die sogenannten Gottesbeweise seien keine „kriminalistischen Belege“, wie es auch andererseits keinen Beweis dafür gäbe, dass Gott nicht existiere. Pöpperl zeigte diese religiös – philosophischen Ansätze anhand der Theorie von Thomas von Aquin mit einem unbewegten Erstbeweger als Ausgangspunkt auf: Die Wissenschaften erforschten bestimmte Themen, aber außerhalb dieser eigenen Rahmen könne eine Wissenschaft nichts beweisen. So sei die Frage nach Gott auch keine naturwissenschaftliche Frage, ergänzte der Domstädter. 

Breiten Raum nahm auch die Diskussion rund um den muslimischen Glauben ein. Der sogenannte „Islamische Staat“ benutze und verwende eine Weltreligion, um sich weltliche Macht zu sichern. Diese Macht beziehe sich auf das Öl und wenn es kein Öl mehr gebe, verschwinde der „IS“. Die Übersetzungen des Koran gingen weit auseinander, so Pöpperl weiter und so werde beispielsweise aktuell eine Übersetzung aus dem 19. Jahrhundert für fünf Euro vertrieben.  Der Referent erläuterte den jungen Zuhörern die Unterschiede durch seine Zitation der Sure fünf und der Sure neun: Zwei Stellen aus dem gleichen Koran sagen Gegensätzliches aus und nun komme es darauf an, was der Mensch daraus mache. Aber auch in der Heiligen Schrift finde man durchaus große Unterschiede, denn während gerade im Alten Testament das eine oder andere „Gemetzel“ vorkomme, folge später der entscheidende Auftrag, die Feinde zu lieben. Das fuße darauf, dass diese ersten Schriften aus einer Zeit stammten, die später negativ bewertet wurde. Der Islam selbst habe verschiedene Ausrichtungen, so gebe es beispielsweise eine liberale Richtung ebenso wie eine militante. Extremisten gebe es aber leider in allen Religionen und nannte Beispiele aus dem Christentum oder dem Judentum. Die Religion des Islam dürfe keinesfalls pauschal verurteilt werden und wichtig sei, mit Muslimen auch in Kontakt zu treten, denn der Dialog helfe gegen Vorurteile und auch gegen Ängste. Pöpperl zeigte die Unterschiede zwischen der Religion des Islam und dem extremistischen Islamismus auf, dieser sei keine Bezeichnung für die Anhänger der muslimischen Religion. Der Nährboden für den Islamismus sei wie bei jedem Extremismus eine Unzufriedenheit, Arbeitslosigkeit oder eine gewisse Sinnlosigkeit in den Systemen – gepaart mit einfachsten „Schwarz – Weiß Denkstrukturen“. Das Horrorszenario eines Glaubenskrieges sei aber trotz aller Sorgen und Probleme nicht vorstellbar, so der Regensburger.

 „Kopftuch als Dresscode oder Kleiderordnung“ ? Wenn es freiwillig getragen werde, sei es als ein Ausdruck von Glaubensüberzeugung anzuerkennen, er selbst trage als Ausdruck seiner Überzeugung auch ein Kreuz am Revers, so Pöpperl. Das Kopftuch sei nicht nur für den Islam reserviert und der Schleier lenke durch seine Funktion auch den Blick auf ältere Traditionen. Die räumliche Trennung zwischen Mann und Frau sei ebenfalls nicht nur aus den Moscheen bekannt und solle einer besseren Konzentration bei den Gläubigen Menschen dienen. 

Mit aktuellen Zahlen leitete der Direktor auf die Kirchensteuer über, von der 20 Prozent in soziale Einrichtungen fließe. Die schwierige Transparenz resultiere nicht nur aus der großen Mitgliederzahl von 22 Millionen Katholiken, sondern auch durch das System, dass jede Pfarrei eine eigene Kirchenstiftung unterhalte. Viel Geld fließe aus der Kirchensteuer auch in Richtung Mitarbeiter, aber die Kirche sei auch nach dem Staat der zweitgrößte Arbeitgeber im Land, so habe alleine die Caritas fast 600 000 Mitarbeiter. Nur ein Drittel der Katholiken sei kirchensteuerpflichtig und sie errechne sich aus acht Prozent der Einkommensteuer. Pöpperl ging weiter auf die Unterschiede zwischen der katholischen und evangelischen Kirche ein und machte dies vor allem am Amts- und am Eucharistieverständnis fest. „Überzeugte Christen seien die beste Werbung für die Kirchen“, schloss der Referent und der Fachbereich Religion freute sich über ein hoch konzentriertes und sehr motiviertes Auditorium aus christlichen und muslimischen jungen Leuten.

Religion Segen oder Macht 2
Religion Segen oder Macht

Tage der Orientierung

Tage der Orientierung Bürokaufleute

Sulzbach – Rosenberg (bba/lz). Unterschiedliche Selbsterfahrungen durch die eigene Körpersprache – dieses Thema war ein Schwerpunkt der Orientierungstage für die angehenden Kaufleute für Büromanagement aus dem ersten Lehrjahr im Jugendhaus Kaltenbrunn.

Nach neun Schulstunden machte sich der Tross auf den Weg und dort wartete bereits Winfried Steinl, ehemaliger Lehrer am HCA – Gymnasium und der Theater – Guru in der Region auf die jungen Leute. Der Pädagoge skizzierte zum Einstieg einige Ereignisse aus seinem reich bestückten Theaterleben und erzählte ebenso von seinen gerade laufenden beiden Projekten in Amberg. Dann aber wurden die jungen Leute bis zum späten Abend abwechslungsreich in die Geheimnisse der Ausdruckskraft durch die eigene Körpersprache eingeführt. „Der Mensch müsse sich die Bedeutung seiner Körpersprache bewusst machen, die auch den individuellen Gegenüber abschätzen lernt. Damit sei die eigene Körpersprache natürlich auch ein Maßstab für die Menschen, die uns selbst begegnen", so der Referent. Viele Beispiele füllten die folgenden Stunden, die mit der körperlichen Neutralhaltung über das „Einfrieren" des eigenen Körpers bis zu den verschiedenen Gangarten starteten. Die nächsten Übungen lehrten die höfischen Umgangsformen bis zu den eher flapsigen Begrüßungen. Zahlreiche Übungen für die Konzentration und die Beobachtungen ergänzten den reichhaltigen Fundus und als Finale seiner kurzweiligen Anregungen und Beispiele hatte Steinl den Marathontanz und das Objekt der Begierde mitgebracht.

Der zweite Tag war ein Schultag, der in das Jugendhaus verlegt worden war und nach der eigenen Persönlichkeit stand nun das Team "Schulklasse" aus der Agenda. Religionslehrer Wolfi Lorenz zeigte dabei verschiedene Übungen wie das Seilspiel mit eingeschränkten Sinnen oder das traditionelle Moorhuhnspiel auf und alle Beiträge wurden mit der Gruppe immer wieder in einer sehr offenen Atmosphäre ausführlich reflektiert.

Tage der Orientierung

Tage der Orientierung 2015

Sulzbach – Rosenberg (lz/bba). Ein ganz besonderes Wochenende erlebten die Auszubildenden als Kaufleute für Büromanagement im Jugendhaus Kaltenbrunn: Unter dem Motto „Die Anderen und ich“ konnten mit den Pädagogen Winni Steinl aus Kümmersbruck und Christine Koller aus Bayreuth zwei hoch karätige Referenten gewonnen werden, die den jungen Leuten im zweiten Lehrjahr vielfältige Impulse für das eigene Lebens mit auf den Weg gaben.

Unter Federführung des Religionslehrer Wolfgang Lorenz starteten die Teilnehmer am Freitag Abend mit der individuellen Persönlichkeit. Dabei spiele auch die eigene Körpersprache und mit Winni Steinl, dem „Theaterguru“ aus der Region, konnte ein exquisiter Mentor gewonnen werden. Mit vielen praktischen Übungen erläuterte der früherer Lehrer am HCA – Gymnasium die Bedeutung des „Aufeinander – Hörens“ zum Einstieg in sein Programm. Danach stand die Körpersprache vom Gehen bis zum ausdrucksstarken Bewegen und Auftreten im Fokus der vielfältigen Beispiele. Ein historischer Streifzug über das Ballett und die Umgangsformen in der höheren Gesellschaft bildeten einen weiteren inhaltlichen Schwerpunkt und die kurzweiligen Stunden endeten mit der Körpersprache der Symmetrie und Asymmetrie und ihren Folgen und Auswirkungen.

„Je besser es einem Menschen geht, desto eher kann er auch andere unterstützen“: Nach dem Blick auf das eigene Ego wurde der zweite Tag den Flüchtlingen auf dieser Welt gewidmet. Christine Koller
besprach mit den Teilnehmern zunächst den Stammtisch Europa und führte mit kleinen Begriffen in fremde Sprachen ein. Danach ging es um das „Fremdsein“ und die daraus resultierenden Gefühle. Eloquent berichtete die ausgebildete Grundschullehrerin von ihren Erfahrungen aus den Reisen um die Welt in ihrem Sabbatjahr und ihren persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen mit Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten. Eine rege und inhaltsreiche Diskussion folgte, ehe eine Reflexion außergewöhnlich gelungene Orientierungstage beendete.